Mobbing kann eine Persönlichkeit zerstören

Luckauer Jugendtheatergruppe bringt das Thema Psychoterror in der Schule in einem sensible Stück auf die Bühne

 Mit Gewalt reagiert Terror-Gang-Anführerin Charly auf den Ausstieg des bisherigen Gang-Mitgliedes Kessy. Niemand in der Schulklasse traut sich der Anführerin zu widersprechen. Foto: Keilbach/bkh1


Mit Gewalt reagiert Terror-Gang-Anführerin Charly auf den Ausstieg des bisherigen Gang-Mitgliedes Kessy. Niemand in der Schulklasse traut sich der Anführerin zu widersprechen.
Foto: Keilbach/bkh1

Bis zu den Sommerferien war die 15-jährige Kessy festes Mitglied der Terror-Gang an ihrer Schule. Jetzt will sie aussteigen. Doch ihre alte Gang tut alles, um die Abtrünnige zu bestrafen. „Unter Druck“ lautet der Titel des neuen Stücks der Luckauer Jugendtheatergruppe „Chaos Connection“. Sie setzt das alltägliche Mobbing unter Jugendlichen aussagekräftig in Szene.

„Eh, du schuldest mir noch Geld. Gib mir meine Kohle“, schreit Charly eine der drei „Tussis“ aus ihrer Schulklasse an. Es ist der erste Schultag nach den Ferien. Unverändert stehen sich die Gruppen auch im 10. Schuljahr wieder gegenüber. Auf der einen Seite sind jene Mädchen, deren Eltern Geld haben und für die Äußerlichkeiten, wie die neuesten Modetrends oder das angesagteste Smartphone den höchsten Wert haben. Auf der anderen Seite stehen die „Loser“ – die Verlierer. Sie haben weniger Geld, können sich viele Dinge nicht leisten, haben Probleme im Elternhaus und oft auch mit den schulischen Leistungen.

Sie bilden die „Terror-Gang“, die andere abzockt, sich nimmt, was sie haben will und Lösegeld von jenen erpresst, die in Ruhe gelassen werden wollen. Charly ist die Anführerin der Terror-Gang. Ihre Mutter, allein erziehend und alkoholabhängig, kann der Tochter keine Orientierung geben.

Auch Kessys Eltern sind geschieden. Ihre Mutter ist eine Geschäftsfrau, die keine Zeit für ihre Tochter hat und mit deren Problemen überfordert ist. Doch Kessy will nicht mehr motzen, andere abziehen und ihre Mitschüler einschüchtern. Sie träumt davon Sängerin zu werden und einen guten Schulabschluss zu bekommen. Aber dann gerät sie mit ihrer alten Gang in Konflikt und die Terror-Teenies spielen ihre Macht gegen Kessy aus. Gegen sie wagt sich keiner aus der Klasse aufzulehnen. Alle spielen das schlimme Spiel der Terror-Gang mit.

Die Klasse ignoriert sie, die Gang terrorisiert sie und zu Hause läuft es auch nicht besser. Kessy streitet ständig mit ihrer Mutter. Der enorme Druck des Mobbings bleibt für sie nicht ohne Folgen. Nur einer hört ihr zu, der Neue in der Klasse. Er ist selbst ein Außenseiter in der Schule und lässt sich nicht von der Gang einschüchtern.

Mobbing auf dem Schulhof sei ein alltägliches Problem, sagt Jennifer Jank und Viktoria Sismarev beschreibt es: „Andere werden runtergemacht, weil sie anders aussehen oder eine andere Meinung haben.“ Die Problematik sei vielschichtig und habe durch das mobile Internet noch eine weitere, verstärkende Komponente erfahren, ergänzt Theaterpädagogin Gabi Schönig.

Deshalb hätten die Jugendlichen zu dem von Angelika Schmidt in den 1990er Jahren geschriebenen Stück noch Szenen ergänzt. Diese greifen das Thema Internetmobbing gezielt auf. „Wir wollen mit unserem Stück aufrütteln, die Augen aufzuhalten und es nicht hinzunehmen, wenn andere gemobbt werden“, sagt Charly-Darstellerin Annika Sawallisch in Bezug auf das Problem. Das Stück bringe die Gruppendynamik und die zerstörerische Wirkung des Mobbings für die Persönlichkeit klar auf die Bühne. „Ich denke es ist ein Stück, dass sich vor allem auch Eltern anschauen sollten“, erklärt die 23-jährige Studentin und Darstellerin der Mütter von den zwei Hauptakteuren, Maria Gromulat. Viele Eltern wüssten gar nicht, wie heutzutage der Alltag ihrer Kinder auf dem Schulhof abläuft.

Zum Thema:
Das Theaterstück „Unter Druck“ führt die Jugendtheatergruppe der Theaterloge Luckau am Freitag, dem 7. Juni, um 19 Uhr im Luckauer Capitol auf.

 

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 06.06.2013